Preismodelle im SaaS

Preismodelle im SaaS  

Nach dem verpatzten Start der Software-aus-dem-Internet-Idee unter dem Kürzel ASP (Application Service Providing) vor fast 10 Jahren freuen sich Analysten wie Gartner seit rund  2 Jahren über den verspäteten Durchbruch dieses Modells unter der aktuellen Bezeichnung SaaS (Software as a Service). Mit der Ankündigung dieses radikalen Wechsels, wurde auch eine Änderung des Abrechnungsmodells hin zu einer verbrauchsbezogenen Vergütung der Leistung vorhergesagt. Klingt ja auch irgendwie logisch: Früher wurde Software verkauft und es gab keine Möglichkeit zur Kontrolle in welchem Umfang diese genutzt wurde. In der vernetzten Welt von Heute wird nicht nur die Software auf dem Server des Providers gehostet, sonder auch gleich alle Daten des Kunden dort gespeichert. Damit hat der Anbieter alle Zutaten, um z.B. eine Abrechnung nach Anzahl der vorgenommenen Transaktionen anzubieten.  

Der Anbieter spekuliert auf erfolgreiche Kunden, die ihn an seinem Umsatz teilhaben lassen. Der Kunde erhofft sich Kosteneinsparungen, insbesondere in Zeiten der Flaute.  

Als mich der Verband der deutschen Internetwirtschaft bat einen Vortrag zu diesem Thema zu halten, ergab meine Recherche jedoch ein differenzierteres Bild. Denn es gibt auch weiterhin triftige Gründe für das gute alte Pay-per-Seat, bei dem die Anzahl der Arbeitsplätze anstelle des Transaktionsvolumens als Grundlage zur Preisermittlung genommen wird.  

Bei Betrachtung der ausschlaggebenden Faktoren zur Preisfindung (Kostendeckung, Konkurrenzbeobachtung, Strategie, etc.) darf die Akzeptanz beim Kunden nicht vergessen werden. Preise die auf finanzmathematischen Theoremen basieren gehen mit Sicherheit am Markt vorbei.  

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass besonders bei kleinen und mittleren Unternehmen der Wunsch nach einer Flatrate überwiegt und mitwachsende Kosten ein Gefühl der Unsicherheit verursachen. Wie kann ein Versandhändler wissen, welche Kosten auf ihn zukommen, wenn ein Anbieter eines ERP Systems pro 500MB Speicherplatz weitere 10 EUR im Monat verlangt?  

Verbrauchsbezogene Abrechnung im SaaS mag logisch erscheinen, wenn aber Speicherplatz, Traffic und Support nach Verbrauch berechnet werden, entsteht daraus ein unüberschaubares Gemenge, welches interessierte Anwender abschreckt. Hier sollten Provider den Mut zur Mischkalkulation aufbringen und marktgerechte Preise für kleine, mittlere und große Pakete festlegen.  

 Autor:
Christian Mauve
Geschäftsführer der Mauve Mailorder Software GmbH & Co. KG aus Essen
www.mauve.eu